logo







Bätzings Abschiedstour

Posted in Allgemein von JEC am 25. Jun. 2009

In gewisser Weise ist Frau Bätzing mit an meinem Alkoholkonsum schuld. Wie das denn? – mag sich der eine oder andere politisch in teres sierte Bürger fragen. Es ist doch hinlänglich bekannt, dass Frau Bätzing die ungekrönte Queen of Prohibition ist. Nun da werde ich wohl etwas weiter ausholen müssen: Ich bin quasi in der Null-Bock Ära der Bundesrepublik Deutschland aufgewachsen, zu Zeiten als grade der Golf 2 frisch auf dem Markt war, als die Toten Hosen noch vor 150 Leuten spielten und richtig harte Jungs waren. Und wir waren das auch. Nach heutigen Maßstäben hätte man uns damals sicher als Flatrate oder Koma säufer bezeichnet. Wahrscheinlich mit dem einzigen Unterschied, dass wir unsere Exzesse nicht ins Netz gestellt haben und auch keinen Krankenwagen gerufen haben, wenn einem mal die Lichter ausgegangen sind.

Wie dem auch sei, von den Jungs von damals ist keiner hopps gegangen, keiner hat eine Alkoholiker Karriere eingeschlagen. Der Regelfall sind beruflich erfolgreiche und privat gestandene Persönlichkeiten. Soviel vorneweg. Ich glaube relativ neu war damals jene

Jack Daniels Cola Mischung mit 4% Alkohol auf den Markt gekommen. Freilich waren Korn, Tequilla oder das ordinäre Bier die bevorzugten Getränke, eher was für Mädchen. Nach fast zwanzig Jahren hatte ich mehr oder weniger zufällig eine dieser schwarzen Dosen an den Lippen und wunderte mich, dass mir recht schnell, recht schummrig im Kopf wurde. Nun gut abgesehen von einem gelegentlichen Glas Wein trinke ich heute kaum mehr Alkohol, daher dachte ich bei mir so: „Hupps ganz schön aus der Übung“. Ein zweiter Blick belehrte mich eines Besseren: Die Mixtur beinhaltet heutzutage 10% Alkohol, ein Umstand, den wir Frau Bätzing verdanken. Frau Bätzing, der Alkopop-Schreck aus dem Westerwald, hatte damals besonders laut getönt als es um die bösen Verführer der Jugend ging. Gerüchten zufolge war dies auch der Umstand, der unser Sabinchen quasi direkt aus der Sachbearbeitung im Rathaus Altenkirchen nach Berlin in die große Politik geführt hat. Wer so laut schreien kann, wem der Moralbegriff wie eine Pappnase im Gesicht klebt, scheint bestens für das Amt der Drogenbeauftragten geeignet. Und eben jene Spaßbremse hat die Alkopops exekutiert. Die beschlossenen Sondersteuer bedeutete das wirtschaftliche Aus für die Baccardi Breezers der Welt. Offenbar konnte der eine oder andere den Malus auch abschütteln, indem er einfach mehr Sprit in die Pulle füllte. Was also unter dem Deckmäntelchen des „Jugendschutzes“ um die Ecke kommt, hat also mich als unbescholtenen Erwachsenen dazu verführt mehr Alkohol zu trinken als ich wollte. Wenn ich mir jetzt noch K1 die Reportage oder so Zeugs ansehen würde, wird landauf landab von Jugendlichen berichtet, die sich mit Wodka den Helm zuhauen. Fast scheint es als ob wir zu Alkopops Zeiten noch im Land der Glückseeligen gelebt hätten. So ganz das glückliche Händchen scheint unser Mädel aus der SPD dabei nicht zu haben. Sie habe schnell gelernt wie Politik funktioniert, äußern sich Parteigenossen mitunter neidvoll. Nun ja wenn es das ist, dass man in der Politik unbrauchbare Zahlen zurechtbiegt oder einfach mal alte Zahlen nimmt, wenn die besser ins Konzept passen, dann hat sie sehr wohl was gelernt. However, immerhin habe ich Frau Bätzing zu verdanken, dass ich kein Online-Lotto mehr spiele. Niemand hat sich wohl bisher mehr Gedanken um meine Gewohnheiten gemacht. Wahrscheinlich wäre ich auch nie drauf gekommen, dass es sich dabei um das Joch einer Sucht handeln könnte, wäre es nicht Altenkirchener Chefsache geworden. Nicht auszudenken, wenn ich mich aus dem sicheren Hort meines Rechners in den düsteren Kiosk hätte wagen müssen, in dem bereits morgens um elf die Flachmänner kreisen. Anders gefragt, kennt jemand einen zwanghaften Lottospieler? Die Frage ob jemand einen Passivrauchtoten kennt habe ich ja schon lange aufgegeben. Wie gesagt ich spiele kein Lotto mehr. Ich wette jetzt via Netz in England auf die deutschen Lottozahlen, bei zufälligerweise denselben Quoten wie sie die deutschen Lotteriegesellschaften bieten. Offenbar scheine ich damit nicht der Einzige zu sein, die Lottogesellschaft NRW beispielsweise vermeldet in 2009 einen Verlust von rund 11%. Mein Anbieter hat seinen Firmensitz nach England verlegt. Hundertvierzig Arbeitsplätze hierzulande lassen sich ja sicher verschmerzen, schließlich geht es um nichts weniger als mein Seelenheil. Außerdem sind die Jobs ja nicht weg, die sind nur woanders.

>> Frau Bätzing hat ihre Schlagzeilen bekommen, ansonsten hat sich nichts geändert. Wie bei den Alkopops, aus den Augen aus dem Sinn. <<

Und nun muss ich lesen, dass Klein-Sabinchen auf große Tour gegangen ist. Werbung in eigener Sache nehme ich an. Bisschen mediale Präsenz üben. Zwar hat sie es schon einigermaßen gecheckt wie man telegene Sensationen inszeniert, einzig die Überzeugungskraft steckt bisweilen noch in den Kinderschuhen. Mit Spannung hatte ich vor wenigen Monaten verfolgt, wie sie sich in der Talkshow „Strunz“ auf N24 schlägt. Fazit: Geht so. Dabei ist mit aufgefallen, dass –immer dann wenn sie nervös wird- die Augenlider ganz merkwürdig zu zucken anfangen. Das hat mich fast genauso irritiert, wie ihre Angewohnheit permanent in der „wir“ form zu sprechen. Wen meint sie damit, wen sie sagt „wir wollen“? Mich auf jeden Fall nicht! Vielleicht ist es ja auch eine Art Pluralis monarchalis. Eure Heiligkeit Frau Bätzing, vielleicht will sie auch nur den Eindruck erwecken, die Massen stünden hinter ihr. Ich persönlich glaube einfach, dass ihr der Schneid fehlt, zu sagen ich will dies oder jenes so, sondern eher der Versuch sich hinter irgendwelchen sozialdemokratischen Gremien zu verstecken. Wie dem auch sei, Bätzing gilt als so was wie das Nachwuchstalent schlechthin in der SPD, so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sie als Kandidatin für Steinmeiers Phantomkabinett gehandelt wird. Sie soll wohl so was wie das Gegenstück der SPD zum CDU Superstar von der Leyen werden, quasi im SSDS Wettbewerb [SPD-sucht-den-Superstar] der Altpartei. Sie soll Elan versprühen, Jugendlichkeit, Unverbrauchtheit. Ganz ehrlich: Wenn Bätzing das Supertalent der SPD sein soll, dann will ich das durchschnittliche SPD Mitglied lieber gar nicht erst kennenlernen. Natürlich bleibt uns die Gewissheit, dass das kaum mehr als eine Seifenblase ist. Solange die SPD dominiert wird von Gestalten wie Bätzing, Binding, Lauterbach und all jene moralinsauren Gutmenschen, die die Arbeitnehmer erziehen wollen, statt sie anständig zu vertreten, wird das ohnehin nichts mehr. Oder wie ein Zyniker der SPD den guten Rat gab:

>>Macht die 150 Jahre Bestehen noch voll, aber dann muss Schluss sein!<<

So verkommt die Deutschlandtour von Sabine Bätzing doch eher zu einer Abschiedstour. Spannend wird sicher der Wahlabend der Bundestagswahl, mal sehen ob sich nicht wenigstens da –angesichts eines Ergebnisses irgendwo bei 20%- das Mädel aus dem Westerwald mal so richtig die Birne zusäuft.

3 Kommentare zu 'Bätzings Abschiedstour'

Kommentare als RSS oder TrackBack von 'Bätzings Abschiedstour'.

  1. Ben Palmer sagt,

    am 26. Jun. 2009

    Gut gesehen!


  2. am 26. Jun. 2009

    Ola!

    Mein persönlicher Höhepunkt in der an Falschaussagen wahrlich nicht armen Karriere unseres Bundesdrogensabinchens stammt aus einem Interview, das sie dem Deutschlandradio am 21.01.2009 gegeben hat.

    Bätzing damals – Wir wollen eine deutliche Reduzierung des Konsums, allerdings mit Mitteln der Kontrollen, der Aufklärung, der Stärkung von Lebenskompetenzen, nicht mit Mitteln des Zwangs und nicht mit missionarischem Eifer.

    Es würde mich echt interessieren, ob die Beschuldigten der 239.951 Strafverfahren, die es 2007 wegen Betäubungsmitteln in Deutschland gab, auch sagen würden, dass ihre Verfahren keine “Mittel des Zwangs” waren.

    Mit hanfigen Grüßen
    Steffen

  3. jec sagt,

    am 28. Jun. 2009

    Hallo Steffen,
    es gab mal eine Zeit, da glaubte ich tatsächlich wir seien auf dem Weg zu einer vernünftigen Drogenpolitik, gut da waren Parteien wie die Grünen auch nicht freiheitsliebend.
    Mittlerweile entfernenen wir uns von dem offenbar immer weiter.
    Zunächst haben populistische Rauchverbote natürlich jegliche Versuche weiche Drogen zu legalieren exekutiert.
    Statt Cannabis zu legalisieren, sähen es eine Vielzahl von Politikern offenbar lieber Alkohol und Zigaretten ebenfalls gänzlich zu verbieten und weiterhin hunderttausende Mitmenschen zu kriminalisieren.
    Der umsich greifende Gesundheitswahn (nur um den Begriff Gesundheitsfaschismus zu vermeiden) wird von einer Vielzahl von Kampagnen gefüttert, die -wenn auch staatlich initiiert- in der Regel von Pharmakonzernen finanziert werden.
    Ich bin der Ansicht, das Big Pharma angesichts fehlender medizinischer Durchbrüch der letzten Jahrzehnte längst versucht neue Standbeine aufzubauen.
    Dazu gehört zum einen der Sektor der Nahrungsergänzungsmittel, zum anderen der Drogenmarkt. Zu letzerem zählt der stetig wachsende Markt von Nikotin in Form von Ersatzpräparaten als auch synthetische Drogen.
    Es ist erstaunlich, dass in jedem Drogenbericht die etwa. 2 Mio Medikamenten-Abhängigen bestenfalls als eine Fussnote erwähnt werden, ich hier auch noch nie großartig etwas von Aktionsplänen und so Zeugs mitgekriegt habe.
    Während sich die Gesellschaft mit Prozac und anderem Kram zuhaut, Kinder mit Ritalin aufgezogen werden, dessen Amphetamingehalt jedem Erwachsenen ein Strafverfahren bescheren würde.
    Schätze die Multis würden gerne die Massen mit einer synthetischen Droge versorgen, wie sie bei Huxley als Soma beschrieben wird.
    Da bleibt natürlich für die Kräuter aus dem eigenen Garten kein Platz.
    Gruß
    jec

Kommentar hinterlassen:

This is a captcha-picture. It is used to prevent mass-access by robots. (see: www.captcha.net)

Du mußt die 5 Zeichen im Bild, (Zahlen von 0 - 9 und Buchstaben von A - F),
in das Feld eintragen und das Formular abschicken um den Download zu starten.

  

Ohje, das kann ich nicht lesen. Bitte, generiere mir eine