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Volksbegehren Bayern oder woanders funktionierts doch auch

Posted in Allgemein von JEC am 27. Jun. 2010

Nachdem ich ein paar Wochen durch England und Schottland gecruised bin, möchte ich ein dort häufig neuerdings häufig anzutreffendes „Verkehrsschild“ vorstellen.
alcoholfree_zone

Es hat ein klein wenig was vom Blick in die Glaskugel wenn man den Blick auf die Insel wendet. Immerhin ist Großbritannien, oder das England-funktionierts-ja-auch-.Land, wie es hierzulande gerne genannt wird, lässt uns erahnen was uns in den nächsten Jahren bevorsteht.
Der Parole, In England-funktionierts-ja-auch, bezieht sich logischerweise zunächst einmal auf die dort verhängten Rauchverbote.
Tatsächlich funktionieren die Rauchverbote in England prima. So prima, dass in England jeden Tag fünf Pubs, schließen. Tag für Tag. Gut das wird irgendwann weniger werden, mangels Substanz.
In Schottland scheint das insoweit auch prima zu funktionieren. Man findet in den ländlichen Gegenden zwischen Glasgow und Inverness, Zwischen Edinburgh und Aberdeen praktisch keine Pubs mehr. Wer hier gerne noch ein Pint trinken möchte ist zumeist auf irgendwelche Hotelbars angewiesen. Auch die Restaurantkultur, die zugegebenermaßen nie besonders glänzend war, hat es immerhin geschafft eindrucksvoll zu beweisen, dass man es noch mal zum Schlechteren wenden kann. Viele klassische Inns, die wir hierzulande mit gutbürgerlichen Gasthäusern vergleichen könnten, sind zu einer Art Imbissbude mit Sitzgelegenheit verkommen. Da viele zwischenzeitlich auf das „take-away-Geschäft aufgesprungen sind, reihen sie sich prima in die unzähligen Pizza oder Sandwich-Express Läden ein.
Aber keine Sorge, die gute Nachricht ist: Es funktioniert. Die Gastronomie ist nicht weg, sie ist nur anders. In nahezu jeder Kuhblicke gibt es dafür mittlerweile einen Starbucks oder Costa, in denen man neben Kaffe auch prima Essen kann. Es gibt hier Sandwich aus der Celophanfolie, die man auf Wunsch auch gerne noch zwei Minuten in die Mirkowelle haut.
Hier trifft man erfrischend junges Publikum in Form von dreizehnjährigen Gören, die laut und hysterisch gackern und voller Stolz mit Ihren Clubkarten wedeln als wäre es die beste Erfindung seit dem Farbfernsehen.
Natürlich gibt es noch einige Nobel-Gourmettempel, bei denen man allerdings vierzehn Tage im Voraus reservieren sollte. Möchte man sich den kulinarischen Genuss nicht verderben lassen, empfiehlt es sich bei der Bestellung die Preisspalte abzudecken.
Ich denke die meisten wollen das nicht so sehr, so dass –insbesondere in den Städten- der
Chips-und-Fish-aus-Styroporpackung-Fresser ebenso zum Bild gehört wie die zahlreichen Litter, also Mülleimer, die neuerdings alle die Funktion von Standaschenbechern mit übernehmen.

Also wenn es tatsächlich das war, was wir wollten, dann funktionieren die Rauchverbote auf der Insel. Aber Spaß beiseite, ich empfehle wirklich jedem, der seit Jahren gebetsmühlenartig die Parole „In England funktionierts ja auch“ in die Welt posaunt, fahrt einfach mal hin und seht Euch das Elend an. Ich werde auch den fürstlich belohnen, der mit eine repräsentative Studie hinsichtlich der Umsatzentwicklung der Gastronomie in Großbritannien vorlegt. Ich habe noch keine gefunden. Das einzige was immer mal wieder durch Welt eiert ist eine angebliche Untersuchung der Propagandisten aus Heidelberg des DKFZ.
Diese wiederum ist methodisch so dermaßen daneben, dass es schon schwer fällt mit dem Papier noch den heimischen Kamin anzufeuern: Die Datenerhebung basiert auf einer telefonischen Umfrage der Gastronomen. Hier stellt sich definitiv die Frage wen man telefonisch auf dem schottischen Land noch erreicht hat! Vielleicht den einen oder anderen Kentucky Fried Chicken oder so was.
Mit dieser Methode hätte man übrigens prima die mittelalterlichen Pest untersuchen können. Man stellt sich auf den Marktplatz, ruft laut: „Wer von Euch ist gestorben?“. Niemand? Prima die Pest ist einen ungefährliche Krankheit, die praktisch nicht auftritt uns keine Todesopfer fordert.

So und jetzt noch mal die Gretchenfrage: Wollen wir das für Bayern auch?

Eine Zeitung -war sicherlich ohne irgendwelche Hintergedanke- hatte das WM Spiel Deutschland gegen England auf die Metapher „Fish & Chips“ gegen „Würstchen&Kraut“
Gebracht. Interessanterweise war der Fisch in der oben beschriebenen Styroporpackung, die Würstchen auf einem Teller mit Besteck und Serviette drapiert. Nanu? Wissen wir im Unterbewusstsein vielleicht doch wie „gut“ es in England funktioniert?

Spätestens seit die WHO vor wenigen Wochen zum nächsten Schlag ausgeholt hat, sollte auch Gredi und Bledi klar geworden sein, dass es hier weit weniger um irgendwelchen Gesundheitsschutz geht, sondern um eine mächtige Umerziehung.
Als Hauptfeind der neuen Attacke wird der Alkohol ausgemacht. Wie einige Jahre zuvor haben 187 Nationen Ihre Seele dem Kampf gegen den Alkohol verschrieben.

http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/2357870/who-beschliesst-strategie-gegen-alkoholmissbrauch.story

bzw. hier das ganze Pamphlet zum runterladen.
http://www.wpro.who.int/NR/rdonlyres/D8E5D26C-4976-475C-9D04-FB63DFB3A994/0/HowToDevelopActionPlanToImplementStrategy.pdf

Wer sich das Machwerk zu Gemüte führt wird zunächst recht erstaunt sein, dass es laut der WHO auch so was wie Passivtrinken gibt. So werden beispielsweise Opfer von Verbrechen mit hinzugezählt, bei denen der Täter mehr als 0 Promille hatte. Das ist erstaunlich, da das bisher bei mir unter die Rubrik Kriminalität gefallen wäre (Kleiner Tipp von mir an die Demagogen: Wenn der Täter vorher noch eine geraucht hat, könnte man das Opfer den Passivrauchern zuschlagen).
Ganz obskur für meine Begriffe wird, seit die WHO (und im Übrigen auch Ihre willfährigen Helfer in Form jener Gesundheitsapostel) auch den Alkohol für die Übertragung von Aids verantwortlich machen.

Selbstverständlich ist es vollkommen überflüssig zu erwähnen, dass exzessiver Alkoholismus, keine Karriere ist die anstrebenswert erscheint. Unabhängig davon machen die vorgeschlagenen Maßnahmen der WHO, zu deren Umsetzung die Unterzeichnernationen angehalten sind Angst und Bange.
Natürlich finden sich hier die Waffen Erwähnung die sich aus der Sicht der Prohibitionisten schon gegen die Zigarette bewährt haben: Steuererhöhungen, Warnhinweise, Verkaufseinschränkungen.
Besonders interessant aber erscheint mir, dass die Öffnungszeiten für Bar und Kneipen begrenzt werden sollten. Ich warte mit Spannung darauf, bis sich der erste Grüne oder irgendein anderer polischer Opportunist hinstellt und verkündet, dass es keine Umsatzrückgänge geben wird. Mit einer Begründung wird sicher nicht zu rechnen, sondern nur mit dem Hinweis „ in anderen Ländern funktioniert es ja auch“.

Wer also tatsächlich meint, dass er am 4.7. in Bayern „ nur“ über das Rauchen abstimmt, für den könnte es schnell ein böses Erwachen geben. Und selbst der der obskuren Ansicht in, dass alkoholfreie Kneipen ein wünschenswertes Ziel seien, sollte sich vor Augen halten, dass in New York bereits jetzt Vorschriften über Art und Menge der Verwendung von Fett in der Gastronomie existieren. Wer die aktuellen Diskussionen um die die Schädlichkeit von Salz verfolgt, den wird es nicht weiters verwundern wenn in absehbarer Zeit ebenso die Salzstreuer von den Kneipentischen verschwinden wie einst die Aschenbecher.

Irgendwelche Splitterparteien oder geltungssüchtige Lokalpolitiker lassen sich zweifellos immer wieder finden, die sich für Initiativen oder Volksbegehren als willige Ochsen vor den Karren spannen lassen.

Über was aber wird nun in Bayern abgestimmt?

In rund 80% der Gastronomie wird heute in Bayern schon nicht mehr geraucht! In den anderen Betrieben gibt es getrennte Raucherräume oder es sind eben Raucherclubs, in die sich ohnehin kein Nichtraucher verirrt…es sei denn er möchte es so. Müssen diese Menschen zwangsbeglückt werden?
Natürlich mag der eine oder andere dabei sein, der denkt, dass der CSU mal so richtig vor den Koffer scheißt, wenn er beim Volksbegehren mit „ja“ stimmt. Das mag ja in Ansätzen nachvollziehbar sein, aber ob es sich lohnt die bayrische Gastronomie dafür zu opfern?

Mir kann es im Grunde genommen ja egal sein. Ich kann auch einfach „durchfahren“ wenn ich mal wieder auf den Weg nach Österreich oder Italien bin.

Trotzdem empfehle ich jedem sich vernünftig über die Auswirkungen eines Totalverbots zu informieren und im Sinne von Freiheit, Selbstbestimmung und auch der Bayrischen Lebens- und Wirtshauskultur abzustimmen.
Initiativen und Seiten dafür gibt’s genug.
http://www.bayern-sagt-nein.de
http://www.nein-beim-volksentscheid.de/wp
http://www.rauchernews.de/news
http://netzwerk-rauchen.de

…nur bitte heult nachher nicht rum, wenn sich die Prohibitionisten durchsetzen und es den Bach runter geht.