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Netzsperren 2.0

Posted in Allgemein von JEC am 6. Apr. 2010

Na ja so ein richtiger Trost ist es nicht, dass EU Politiker offenbar blöder sind als deutsche Politiker außer Bosbach.

Vor allem dann nicht, wenn man sich vor Augen hält, dass ja auch deutsche Politiker gibt, die ihr Heil in Brüssel suchen, wenn sie hierzulande nichts zustande bringen. Natürlich gilt hier der Grundsatz: Zehn Deutsche sind natürlich blöder als fünf Deutsche.

Auf jeden Fall sind sie wieder da: die Netzsperren.

Quasi ein Allheilmittel all jener bei denen man den Eindruck hat, sie kennen das Netz nur vom Hörensagen. Wie beispielsweise der Eu Abgeordnete Manfred Weber. (Na Herr Weber, was war nochmal ein Browser?)

Man möchte meinen, man kann die Argumente nicht oft genug wiederholen, resistent dagegen sind außer Frau Malmström, viele viele andere Volksvertreter ebenfalls.

Ich versuch es trotzdem nochmal, spontan fallen da zwei Bilder ein:

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit dem Neunjährigen Junior Samstagabend auf dem Sofa. Im Fernsehen läuft ein knackiger Splatterfilm, das Kuttelwerk der Protagonisten schleudert über die Mattscheibe. Was machen Sie?

Hier halten Junior die Augen zu, platzieren quasi Stoppschilder vor seine Augen oder schalten Sie nicht besser einfach um oder aus? Sehen Sie so einfach ist die Diskussion.

Stoppschilder verdecken das Schundmaterial ohne es zu beseitigen. Das Prinzip ist ganz ähnlich wie bei kleinen Jungs die verstecken spielen. Während der eine tatsächlich verbirgt, hält sich der andere lediglich die Hand vor die Augen. Ich seh Dich nicht, also bin ich weg.

Stoppschilder legen einfach ein Tuch über die Kriminalität. Ein Prinzip, dass übrigens derzeit auch prima bei der Katholischen Kirche funktioniert. Oder  in Millionen Haushalten. Wegsehen.

Mehr noch Stoppschilder warnen die Täter. Da wissen wir jetzt schon, dass das ein lustiges Hase-Igel Rennen gibt. Die schwarzen Listen des BKA, die im Übrigen niemand kontrolliert, außer dem BKA, werden immer der Aktualität hinterher hinken.

Mit wenigen Klicks lassen sich die Schweinereinen auf andere Seiten umleiten. Online Tauschbörsen, die vermutlich als der Hauptumschlagplatz des kranken Materials angesehen werden können, können von Stoppschildern nicht erfasst werden.

Im Übrigen lassen sich Stoppschilder binnen weniger Sekunden umgehen. Gut bei Ihnen Herr Weber wird’s etwas länger dauern, aber es wäre falsch davon auszugehen, dass die Kenntnisse der anderen Surfer ebenfalls im lowlevel Bereich anzusiedeln sind.

Sehen Sie ich nehme mir sogar noch kurz die Zeit das Prinzip zu erklären:

Sämtliche Seiten im Netz werden über IP Adressen aufgerufen. Das sind kryptische zwölfstellige Zahlencodes. Sie lieber Herr Weber werden jetzt sagen Moment, ich geb doch immer www.pappnase.de ein und keine Zahlen. Richtig. Weil sich die IP Adressen und Zahlenfolgen kein Mensch merken kann, wurden die www Adressen eingeführt. Die Adressen laufen auf DNS Server die überall auf der Welt verteilt sind und wandeln die Adresse in die entsprechende IP um. Frau Malmström nimmt sich jetzt einen Klappstuhl und setzt sich vor diesen DNS Server und hält ein Stoppschild hoch bevor die Adresse in die IP umgewandelt werden kann. Leider kann Herr Bosbach sich nur vor einen deutschen DNS Server setzen, Frau Malmström bestenfalls alle europäischen DNS Server kontrollieren.

Nun läßt sich der Heimrechner so einstellen, dass beispielsweise zukünftig generell ein amerikanischer Nameserver angesteuert wird und schon ist wieder Essig mit den Stoppschildern.

Eine einmalige Geschichte von wenigen Sekunden, detaillierte Anleitungen finden sich auf Youtube. Da könnte man natürlich auch ein Stoppschild drauf setzen.

Nebenbei bemerkt kostet der sinnlose Spaß einen Betrag im dreistelligen Millionenbereich, der in Strafverfolgung der Perversen deutlich sinnvoller aufgehoben wäre. Ich füge ganz unten den Spot „Rette Deine Freiheit“ ein, der das ganz recht anschaulich verdeutlicht.

Übrigens hielt ich anfänglich das „three strikes Modell“, da in dem Film erwähnt wird für eine überspitze Persiflage, bis ich dann feststellen musste, dass das tatsächlich diskutiert wird.

Unter dem Projekt ACTA wird tatsächlich überlegt Personen, die illegale downloads ziehen –wer immer das entscheiden will- soll tatsächlich der Internetzugang gekappt werden dürfen.

Eine hoch interessante Geschichte, in Zeiten in denen Finanzämter nur noch online- Steuererklärungen akzeptieren.

Fakt ist wir schaffen eine Zensur Struktur im Netz, die wir natürlich nie und nimmer verwenden werden, um die uns selbst China und der Iran beneiden werden. Wir könnten das natürlich verwenden, aber wir werden das natürlich nicht. Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.

Bei Frau Malmström sammeln sich bereits die Anfragen ob die Stoppschilder denn nicht auch für Glückspiel und Computerspiel verwendet werden könnten. Natürlich hat Frau Malmström diese Anfragen nicht beantwortet.

Keine Antwort ist auch eine Antwort.

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