Beckstein lernt den Schelm kennen…
Ach Gottchen ich hätte nicht gedacht, dass man sich über ein Erdbeben so freuen kann.
Natürlich geht’s um das beben in Bayern, dass freilich nicht mit Richterskala zu messen, weil es sich um eine politische Erschütterung handelt.
Selbst die größten Kritiker der CSU dürften nicht mit einem derart katastrophalen Ergebnis für die CSU gerechnet haben. Irgendwie hatten wir doch bis zum Schluss damit gerechnet, dass die mir-san-mir Mentalität in ihrer Unberechenbarkeit noch das letzte Mütterchen mobilisiert, die –wie schon seit Jahrzehnten- den Wahlhelfer fragt: „Wia hoaßt der Unsrige?“
Verlust ja, das waren wir uns sicher, 50 Minus X wenn es gut läuft auch.
Dass es ein 50 minus XXL werden könnte, dürfte doch einen Freudentaumel auslösen.
Was danach kam, wussten wir natürlich alle schon: Wie immer keine echten Verlierer, nur Sieger und Rechenkünstler.
Selbst einem Verlust von fast 18% mag man durchaus noch was Positives abgewinnen indem man irgendwelche abstrusen Lagertheorien zum Besten gibt.
Auch in der Analyse woran es gelegen haben mag verschanzt man sich eher hinter blumigen Formulierungen wie „Summe vieler Faktoren“ bis hin zu „der Sieg vor Jahren war viel zu hoch“. Naja so kann man es auch drehen.
Zweifellos gibt es eine Vielzahl an Themen bei denen Lollek und Bollek aka Beckstein und Huber versagt haben. Einen Punkt versuchen Politiker jeglicher Couleur und die Meinungsforscher krampfhaft auszuklammern:
Das Rauchverbot.
Das Thema ist mittlerweile zu einer Art verschissenen Klobrille mutiert: Niemand traut sich da mehr ran. Vor allem jetzt, da auch die Bevölkerung so nach und nach registriert, dass im Bezug auf Schädlichkeit des Passivrauchen, Auswirkungen auf den Gastronomieumsatz usw. Zahlen manipuliert wurden und auch dass Institutionen wie etwa das DKFZ oder die Schweizer Lungenliga nahezu jedes Mittel recht ist, schnellstmöglich an der Futtertrog der Förderungsgelder zu kommen.
Die Einschätzung, dass es völlig unnötig sei, den Wähler mit einer sachlichen politischen Auseinandersetzung zu konfrontieren, sondern das Wahlvolk sich mit recht billigen Wahlversprechen abfischen lässt hat sich als nachhaltig falsch erwiesen. Ich habe selten eine Wahl erlebt in der sich ansonsten recht unbedarfte Bürge so politisch engagiert haben wie jüngst in Bayern. Offenbar wurde nunmehr mit der Bevormundung und Gängelung der Bürger tatsächlich eine Schmerzgrenze überschritten, die sich nicht nur auf das Wahlverhalten, sondern vielmehr auf das Engagement ausgewirkt hat.
Recht hilflos interpretieren die Politiker, die dann gestern noch zu Wort gekommen sind, es sei ein Sieg des bürgerlichen Lagers und genauso genommen seien dies alles CSU Stimmen, die man mal quasi ausgeliehen hätte. Offenbar sehr erfolgreich blendet man aus, dass es sich nur auf den zweiten Blick um einen Sieg handelt, der den bürgerlichen Idealen Rechnung trägt, in erster Linie war es ein klares Votum für die freiheitliche Eigenverantwortung der Menschen.
Da mag Frau Nahles noch so sehr abwiegeln, das Rauchverbot und die Gängelung im Umgang mit Alkohol habe keinerlei Einfluss auf die Wahl gehabt, die Leserkommentare in allen großen Tageszeitungen sprechen eine andere Sprache. Nun ja von einer Partei wie der SPD die das schlechteste Ergebnis in der Geschichte des Landes einfährt und sich dabei wie ein Sieger aufführt ist zweifellos auch keine realistische Einschätzung zu erwarten.
Aber auch die CSU scheint auf dem besten Wege, mal wieder nichts aus Ihrem Debakel lernen zu wollen. Ich hatte gestern Abend sehnlichst darauf gewartet Georg Schmid seinen Rüssel in irgendeine Kamera hängen zu sehen. Fehlanzeige. Feigerweise hat er dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden den Vortritt gelassen, um heute Vormittag in alter Heckenschützenmanier rasche Personalkonsequenzen zu fordern. An sich hat er Recht, wenn er ein kleinwenig Rückgrat hätte würde er seinen Hut nehmen, schließlich ist er für einen großen Teil des Schlamassels verantwortlich.
Man muss sich schon eine rosarote Brille mit Aschenbecher dicken Gläsern aufsetzen um die Stimmung im Lande so erfolgreich ignorieren zu können. Dass schon allein der VEBWK jener Verein, der mit nunmehr fast 200.000 Mitgliedern offen zum Boykott der CSU und zur Wahl der Freien Wähler aufgerufen, keinen Einfluss auf die Wahl gehabt haben soll, zeigt einmal die Hilflosigkeit der Volksparteien.
Und dann ist da noch der Schelm bzw. Neues vom Schelm. Ein loser Zusammenschluss mehr oder minder gewöhnlicher Bürger, die vor einigen Monaten beschlossen haben, nicht nur mit dem kleinen Kreuzchen in die große Politik eingreifen zu wollen, sondern mit veröffentlichten Texten fürs Volk aus dem Volk.
Immerhin ist es gelungen in den letzten Wochen fast 100.000 Exemplare des „Neues vom Schelm“ unters Volk zu bringen. Dass jene Schriften, in denen konsequent die Manipulation durch die Regierenden zum Thema Rauchverbot , deren Ignoranz und mangelnde Volksnähe aufgezeigt wurde, keine Auswirkungen auf das Wahlverhalten gehabt haben soll, dürfte eine recht kühne Theorie sein. Die eindeutige Wahlempfehlung gegen die CSU und für FDP bzw. freie Wähler spricht angesichts des Wahlergebnisses eine andere Sprache.
Ich gestehe selbst einer jener wenigen Schelme zu sein, die sein Scherflein dazu beigetragen haben, dass wir in den letzten Wochen soviel –teils prominente- Unterstützung erfahren zu haben, dass es sich durchaus lohnt nunmehr die nächsten Landtagswahlen ins Visier zu nehmen. Vielen Dank an all jene Schelme die noch viel unermüdlicher und engagierter als ich waren. Ihr seid einfach klasse!
