Binding attakiert Löw
Wird sich das Sommermärchen 2006 wiederholen ? Ganz Deutschland scheint gelähmt im Fussballfieber. Ganz Deutschland ausser einem: Lothar Binding.
Wenn er sich denn je für Fussball interessiert hat, dürfte spätestens seit ein paar Tagen erledigt haben. Seit er Jogi Löw im Fernsehen mit der Fluppe gesehen hat. Da sieht er rot, da wird alles andere nebensächlich. Entsprechend äußert er sich dann auch in der Presse: “Löw müsse entscheiden ob er Trainer oder Raucher sei”. Zu deutsch, wenn er mit dem Rauchen nicht aufhört kann er kein Bundestrainer mehr sein.
Was um alles in der Welt ist das denn jetzt für eine Nummer? Sollen Raucher bestimmte Berufe nicht mehr ausüben dürfen?
Man darf sich getrost fragen, wo der Mann denn lebt. Gibt es in der Politik wirklich keine anderen Sorgen mehr? Möglicherweise liegt das natürlich daran, dass die SPD insgesamt jegliches Konzept verloren hat und Lothar in dieser Disziplin der Beste sein will.
Ich will jetzt allerdings nicht weiter auf unserem geistige lowrider herumhacken, sondern vielmehr visualisieren, wie der Rumpuper sich selbst seine Eigentore reinsemmelt (um beim Fussball zu bleiben).
Eindrucksvoll demonstriert er selbst wohin seine Tabakprohibition führen wird:

in die Sackgasse !
Das Bild entstand übrigens anläßlich einer Demo gegen die böse Tabakmafia. Zu dieser Demo hatte das Forum-Rauchfrei unter dem Antirauch-Aktivist Johannes Spatz aufgerufen. Spatz ist der kleine Zwerg, der als Mikroständer fungieren darf.
Ach ja noch nebenbei erwähnt…. Geschätzte Teilnehmeranzahl dieser Demo: 15 (wobei noch nicht zweifelsfrei geklärt ist, wieviele davon zufällige Passanten waren)
Demokratiedefekt
Es ist schon ein Kreuz mit der Demokratie.
Zumindest im Mikrokosmos des kleinen amerikanischen Örtchen Pillsbury, hat man eindrucksvoll demonstriert, dass das demokratische System so nötig ist, wie eine Parkscheibe im Fussballstadion.
Die jüngste Bürgermeisterwahl geriet da mal ganz nebenbei zur Farce, weil niemand wählen gegangen ist. Niemand heißt tatsächlich niemand. Kein Einziger.
Gleichzeitig bedeutet das natürlich auch, dass noch nicht einmal der Kandidat selbst wählen war. Daraufhin befragt gab er an, keine Zeit gehabt zu haben, weil er ganz dringend Pflanzenschutzmittel auf seine Felder bringen musste.
Nun grundsätzlich dürfte das eher lustig als dramatisch sein, da es in diesem Ort lediglich vierundzwanzig Wahlberechtigte gibt und sich für den bisherigen Bürgermeister auch kein Gegenkandidat gefunden hat.
Dennoch hat der Vorgang ein Nachspiel, da nun die Gerichte klären müssen, wer denn nun überhaupt regiert. Prinzipiell sieht es derzeit so aus, als ob kein Kandidat eindeutig bestimmt werden konnte, daher wird der alte Bürgermeister die Geschäfte bis zu nächsten Wahl weiterführen. Kommissarisch. Quasi Pillsbury in Klein-Hessen.
Immerhin die Botschaft ist klar: Wenn sich alle einig sind, braucht es keine Demokratie.
Dass die Demokratie per se eine Scheiße ist hört man dieser Tage von einer Vielzahl EU-Politiker. Nanu was hatten wir da nochmal? Ach ja das irische Referendum. Nur weil das irische Wählervieh die Kreuzchen falsch gesetzt hat, spricht man landauf, landab von der Krise der EU.
Das wiederum, Ihr lieben selbstherrlichen EU Kommissare –was für ein selten dämlicher Begriff für einen Politiker- ist weder eine Krise noch ein Skandal. Ein Skandal ist was anderes! Und zwar genau die Art und Weise auf die die Möchtegern-Volksvertreter darauf reagieren. Vorsorglich erwähnt der SPD EU Abgeordnete Schulz gerne in Nebensätzen, dass das Wahlverhalten der Iren absolut nicht nachvollziehbar sein, da gerade Irland in den letzten Jahrzehnten mehrere hundert Milliarden Beihilfen aus der EU-Kasse erhalten habe.
Man darf sich schon fragen, welchen Defekt das Demokratieverständnis dieses Abgeordneten erlitten hat. Werden die Wählerstimmen in der EU eingekauft? Muss man sein Wahlverhalten nach den Zahlungen aus Brüssel richten.
Wenn das mal alles so einfach wäre, dann könnten wir uns dieses Wahlgedöns ohnehin sparen. Lediglich eine Preisliste sollte veröffentlicht werden. Wieviel muss man beispielsweise einem Volk bezahlen um zweifelsfrei davon ausgehen zu können, den freien Willen abgekauft zu haben.
Auch Steinmeier gebärdet sich da nicht viel besser. Man braucht keinen Duden um zu wissen, was die Formulierung „Irland müsse aus der Fördergemeinschaft austreten“ zu bedeuten hat.
Der Geldhahn wird zugedreht. Kennen wir ja bereits im Umgang mit Terroristen.
Offenbar geraten wir in eine Krise, wenn die demokratische Funktion der Mehrheitsdiktatur versagt. Wir merken es spätestens dann, wenn populistischer Formulierungen umhergeistern, es könne nicht sein, dass 3,5 Mio. Iren den Willen von fast einer halben Milliarde EU-Bürgern torpedieren.
Allerdings ist die nicht einmal die halbe Wahrheit. Man könnte die Formulierung im umgekehrten Sinne verwenden, hätten die Iren zugestimmt.
Es könnte in diesem Fall genauso wenig sein, dass die irische Minderheit der halben Milliarde EU Bürgern ihren Willen aufzwingt. Freilich ist und wäre dies in keinem Fall ein Vorwurf an die bierseligen Landsleute der grünen Insel.
Wir erinnern uns daran, dass bereits die Franzosen und die Niederländer den Vertrag von Nizza, dem Vorläufer Modell der Lissabonner Verträge, mit einem klaren Nein beantwortet haben. Allerdings waren sich die politischen Kräfte sehr schnell darüber einig, dass die Volksgruppen einfach zukünftig nicht mehr abstimmen dürfen, wenn sie falsch wählen.
Im Übrigen werden vier Fünftel der EU Bevölkerung über die zukünftige EU Kompetenzen Verteilung von vorneherein nicht befragt.
Das zumindest scheint mir eine recht merkwürdige Auslegung demokratischer Mitbestimmung zu sein. Immerhin scheinen die Verantwortlichen zu wissen, dass es ein mittleres Desaster geben würde, wenn man tatsächlich auf Volkes Stimme angewiesen wäre.
Damit es dennoch hübsch nach Wählerwillen aussieht, lässt man in regelmäßigen Abständen lediglich über die Vögel abstimmen, in deren Hände man die Geschicke legt.
Dass das im Regelfall einigermaßen Humbug ist, lässt sich am besten an der Entwicklung der Wahlbeteiligung der Europawahl ablesen. Wenn ich die Zahl richtig im Kopf habe, konnte man bei der letzten Wahl gerade noch 43% der Bevölkerung zum Urnengang mobilisieren.
Nein nein liebe Freunde der Macht, nicht die EU ist in der Krise sondern deren demokratisches Verständnis. Mehr als die Unterstellung eines bösen Willen, kann man davon ausgehen, dass es sich schlichtweg um Ignoranz handelt und um die völlige Unfähigkeit das Volk bei irgendwelchen Entwicklungen mitzunehmen.
Es ist mehr als zynisch, dass viele Politiker einräumen, den Entwurf der Lissabonner Verträge über den es abzustimmen gilt, gar nicht gelesen zu haben.
Immerhin scheine ich einigen Politikern hier Einiges voraus. Zumindest ich mich mit dem Pamphlet auseinander gesetzt.
Natürlich ist dies ein schreckliches Machwerk. Auf fast dreihundert Seiten werden größtenteils Begrifflichkeiten und Formulierung geändert und beschlossen, um dann quasi in scheinbar harmlosen Nebensätzen die dicken Kröten zu servieren.
Ich unterstelle, dass die Form bewusst so gewählt und explizit darauf abzielt, dass es niemand wirklich richtig liest.
Was würde ein klar denkender Mensch unter Formulierungen wie Bemühungen für eine einheitliche Außen- und Sicherheitspolitik verstehen. Nichts. Klingt nett, klingt hübsch.
Bedeutet aber auch, dass wir uns schneller als wir denken in einem Angriffskrieg gegen irgendeinen vermeintlichen Schurkenstaat befinden könnten.
Ein gigantischer Teil nationaler Normen werden zukünftig in die Hände des EU-Parlaments gelegt, faktisch gesehen handelt es sich um Ermächtigungsgesetze für Brüssel.
Was also Frau Merkel damit meint, dass der „Lissabonner Vertrag die EU demokratischer macht“ wird mir wohl immer eine Rätsel bleiben.
Ich kann das gar nicht erkennen, aber vielleicht ist mein Verständnis von Demokratie auch längst veraltet. Zumindest freue ich mich, dass uns nochmal eine kleine Gnadenfrist gewährt wurde.
Cheers Ireland!
Ich bin dann mal weg….
…bevor nun militante Rauchgegner in Freudentaumel ausbrechen…..
ich bin nicht ganz weg, sondern nur mal kurz.
Vielleicht ist es für die daheim gebliebenen Mitredakteure wichtig zu wissen, dass es nur ein kleiner Ausflug ist und ich mich nicht aus dem Staub mache. Jetzt wo uns die Berliner Woli GmbH mit Millionen Abmahnungen droht.
Mir, liebe Woli GmbH, macht das nichts aus, ich komme wieder. Und das ist keine Drohung sondern ein Versprechen :-)
Und zwar habe ich den neuesten Beitrag auf quasi als Gastkommentar in einem anderen blog veröffentlicht:
Pernod am Sonntag morgen.
